Kaffee - Von Arabien in die Welt

Mit Gerüchten rund um den Kaffee räumt die Ausstellung des Arabischen Museums Nürnberg, die in der Scheune des Hirtenmuseums der fränkischen Stadt Hersbruck zu Gast ist, auf. In der Ausstellung „Kaffee – Von Arabien in die Welt“, lässt sich auf amüsante Weise alles Wissenswerte um das schwarze Gebräu erfahren. Ein Schwerpunkt dieser Ausstellung zeichnet nach, wie der Kaffee, von Arabien ausgehend, nach Europa kam und siegte. Die Ausstellung ist noch bis zum 12. September 2010 zu sehen.

tl_files/meldungen/2010/kaffee/plueschecke.jpg In der Ausstellung findet sich eine plüschige  Kaffeehausecke mit Teppichen, Kissen, Kannen, Kaffesäcken und einem mannshohen Kaffeeröster. Mit Hilfe von Fotos und Anschauungsmaterial wird erklärt, dass der Deutsche 140 Liter Kaffee und nur 120 Liter Bier im Jahr trinkt. Neben Wissenswertem und  Legenden über das “Luxusgut“  wird über Entdeckung, Zubereitung und Veredelung der dunklen Bohnen aufgeklärt und darüber, dass durch die „Segnung“ des Kaffees  durch Papst Clemens VIII  um 1600 das Getränk erst salonfähig wurde.

 Im Rahmen der  Ausstellung bemüht sich der Museumsverein , jemenitischen Kleinbauern in ihrer wirtschaftlich schwierigen Lage zu helfen, in dem Rohkaffee direkt aus dem Jemen importiert wird und Zwischenhändler umgangen werden.

 In einer Leseecke und auf den Matten des Kaffeehauses kann eine Kaffee-Pause eingelegt werden. Zum Lesen liegen dort mehrere Exemplare der vom Museum erstellten „ Kaffee-Zeitung “ aus. Diese informiert den Besucher zum Beispiel darüber, dass in Finnland mit 1800 Tassen jährlich ein fünf mal so hoher Prokopf-Verbrauch erfolgt als in England oder Japan. Völkerkundler sehen das im bierfeindlichen Finnland als Ritual an ähnlich der Tee-Zeremonie in Japan.  Deutschland liegt im Verbrauch dazwischen.

 Desweiteren liest man, dass die Nomaden in der arabischen Welt im Kaffee einen wichtigen Bestandteil der Gastfreundschaft sehen. Im nordafrikanischen Maghreb sind Kaffeehäuser erst seit 1700 bekannt.

 In Europa ist dieses Getränk  seit ca. 1600 bekannt.  Venedig hatte 1645 das erste europäische Kaffeehaus.. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden verbotenerweise die ersten Kaffeepflanzen aus dem Jemen nach Amsterdam und in die Karibik sowie Brasilien eingeschmuggelt. Sie machten dann die dortigen Kolonialherren reich. Kaffee-Anbau und -Ernte in diesen Ländern besorgten übrigens Sklaven aus Afrika.

 In London waren Frauen vom Besuch der Kaffeehäuser ausgeschlossen. Im 17. Jahrhundert kamen aber dort die privaten Kaffee-Kränzchen auf, in denen Männer nichts zu suchen hatten.

 Die Zeitung stellt auch berühmte Kaffee-Trinker des 18. Jahrhunderts vor, wie zum Beispiel Beethoven, Kant Goethe, Napoleon und Voltaire und nicht zu vergessen aus neuerer Zeit: Bundeskanzler Konrad Adenauer.

 Man liest auch, dass eines der wenigen Länder der Welt, in denen es Bohnenkaffee in den 1970er-Jahren fast gar nicht gab,  die damalige DDR war. Es kam zu einer Kaffee-Krise mit Empörung in der Bevölkerung, weil dafür keine Devisen ausgegeben wurden. Den Markt eroberte ein „Kaffee-Mix“ mit einem hohen Anteil an Kaffee-Ersatz.  Dieser unbeliebte Kaffee wurde „Erichs Krönung“ genannt oder „ EDESCHO “ (Erichs Devisenschoner). Durch die engen Beziehungen zu Vietnam wurde dann dort für die ehemalige DDR immer mehr Kaffee angebaut, sodass Vietnam nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeelieferant der Welt wurde.

 Bis zur endgültigen Eröffnung des Museums in eigenen Räumen in Nürnberg sind bisher schon  einige Ausstellungen in befreundeten Museen über die Vielfalt und Blüte der arabischen Kultur organisiert worden: Eine erfolgreiche Pilotausstellung fand im altehrwürdigen Rathaus von Nürnberg unter dem Titel  „ Medizin  verbindet “  statt. Sie wies darauf hin, wie die arabische Medizin im Mittelalter den Fortschritt auf medizinischem Gebiet in Europa befruchtete. Ein Vortrag  „ Arabische Hausmittel “ mit einer weiteren Ausstellung machte den Erfahrungsschatz der Araber über die heilsame Wirkung von Pflanzen bekannt.

 Als nächstes Ausstellungsprojekt des Arabischen Museums Nürnberg ist für 2011 „Karawanen -  Verkehr schlägt Brücken zwischen den Kulturen “ vorgesehen.

 Das Anliegen der Ausstellung wird es sein, die Bedeutung des Verkehrs als Grundlage für einen kulturübergreifenden Austausch zu verdeutlichen. Beispielhaft wird der Blick auf die europäische und die arabische Welt als benachbarte Regionen gerichtet. In der Geschichte waren es die Kamel-Karawanen, die Waren, Wissen und kulturelle Werte transportierten. Karawanen waren somit in der Vergangenheit ein wichtiger Faktor, um die arabisch-europäischen Beziehungen zu entwickeln.

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