Zur Tradition der Deutsch-Tunesischen Wirtschaftsbeziehungen

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind intensiv und erstrecken sich auf viele Bereiche. Im Rahmen zahlreicher Besuche von Regierungsseite ging es zuletzt etwa um die Ausgestaltung der Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich. Auch im Wirtschaftssektor sind beide Staaten eng miteinander verflochten. Eine wichtige Rolle nimmt Deutschland für das nordafrikanische Land insbesondere in der Tourismusbranche ein.

Bedeutung Deutschlands für den tunesischen Tourismus

Deutschland und Tunesien pflegen bereits seit den 1950er Jahre gegenseitige Beziehungen. Dabei ist die deutsche Regierung sehr bemüht, das nordafrikanische Land nach der Revolution im Januar 2011 beim Übergang zur Demokratie zu unterstützen. Eine Unterstützung, die Tunesien unter vielerlei Hinsicht benötigt. So etwa in der tunesischen Tourismusbranche, wo die Buchungszahlen vor allem in Folge der Terroranschläge im Jahr 2015 zeitweise eingebrochen sind und sich nur langsam erholen. Reisten im Jahr 2014 noch 425.000 deutsche Urlauber in den Maghreb-Staat, waren es im darauffolgenden Jahr nur noch 218.000. Von Januar bis September 2016 waren es sogar nur 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dabei stellt Deutschland nach Frankreich den zweitwichtigsten Markt für Tunesien dar. Laut Angaben des Tourismusministeriums wurden in 2015 nur noch 16,1 Mio. Übernachtungen gezählt, nach 35,5 Mio. im Jahr zuvor. Dies führte zu einem empfindlichen Rückgang der Einnahmen aus dem Tourismussektor von 7 auf 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zuletzt entsprach das sogar 60 Prozent des Bruttonationalprodukts. Der Tourismus stellt für Tunesien ein wichtiges Standbein dar und trägt wesentlich zum Wohlstand der Bevölkerung bei. Schließlich sind etwa 400.000 Tunesier in der Tourismusbranche beschäftigt. Seiner sozialen und wirtschaftlichen Verantwortung ist sich das Land bewusst, weshalb die Regierung bereits Gegenmaßnahmen ergriffen hat. Durch Erhöhung der Sicherheit, etwa in Form eines erhöhten Polizeieinsatzes an Stränden, der Abschaffung der Ausreisegebühr von 13 Euro sowie der Bezuschussung von Flügen möchte Tunesien dem Tourismus neues Leben einhauchen und so auch mehr deutsche Urlauber anlocken. Noch gibt das Auswärtige Amt allerdings keine Entwarnung.

Wirtschaftliche Wechselbeziehungen im Im- und Export

Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tunesien sind auch im Wirtschaftssektor stark verwurzelt. Insgesamt 55.000 tunesische Arbeitskräfte sind nach Auskunft der Deutsch-Tunesischen Industrie- und Handelskammer in den rund 250 meist exportorientierten Unternehmen des Mittelmeeranrainerstaats beschäftigt. Bis dato haben diese mehr als 350 Mio. Euro investiert. Eine nicht unerhebliche Rolle nimmt Tunesien für die deutsche Wirtschaft ein. Waren im Wert von 1,603 Mrd. US-Dollar wurden 2013 nach Tunesien exportiert, überwiegend Textilien, Kraftfahrzeuge, Maschinen und elektronische Erzeugnisse. Im Gegenzug flossen Güter im Gesamtwert von 1,530 Mrd. nach Deutschland, vorzugsweise Textilien, Rohöl, Teppiche, Kraftstoffe, elektrotechnische Komponenten sowie Autokomponenten, insbesondere Kabel. Konstante Wachstumsraten von ehemals rund 3 bis 4 Prozent möchte Tunesien auch mit Hilfe der wirtschaftlichen Beziehungen der beiden Länder sicherstellen, nachdem das Wachstum in 2015 lediglich 0,8 Prozent betrug. Hierdurch soll auch der Arbeitslosenrate entgegengewirkt werden, die in den letzten Jahren konstant bei 15 Prozent lag. Hauptproblem stellt hierbei die die hohe Jugend- und Akademikerarbeitslosigkeit dar, die bis über 30 Prozent stieg. Um auf soliden Beinen stehen zu können, leistete Deutschland seit Anbeginn der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit bis zum Jahr 2013 mehr als 1,5 Mrd. Euro an Entwicklungshilfe auf das Konto der tunesischen Regierung. Im Zusammenhang mit dem hohen Flüchtlingsaufkommen sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel dem tunesischen Präsidenten Béji Caid Essebsi zuletzt 250 Mio. Euro aus dem Entwicklungshilfe-Topf zu. Im Jahr 2015 wurden an Familienangehörige und Angestellte ebenfalls umfangreiche Geldbeträge von Deutschland nach Tunesien gesendet, die zusammen rund 127 Millionen US-Dollar betragen.

Fokus auf Intensivierung der Beziehungen legen

Nach den Terrorangriffen hat sich die Lage in Tunesien etwas entspannt. Dennoch haben die Anschläge ihre Spuren hinterlassen, was gerade der Tourismus zu spüren bekommen hat. Dieser äußerst wichtige Wirtschaftssektor ist besonders stark auf Deutschland angewiesen, zumal ein Großteil der Touristen aus Frankfurt, München & Co. anreist. Von den guten wirtschaftlichen Beziehungen hängt allerdings auch die Zukunft zahlreicher Unternehmen und Beschäftigten in beiden Ländern ab, die im Im- und Export tätig sind. Diese Beziehungen gilt es weiter zu intensivieren und zukunftsfähiger zu machen – zum Wohle der Bürger beider Länder.

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